Entspannung ist kein Luxus – sie ist ein Naturgesetz
- Verena Gruber

- 2. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Aug. 2025
In unserer schnelllebigen, leistungsorientierten Gesellschaft wird Entspannung oft als Schwäche oder Luxus abgetan. Wer Pausen braucht, gilt schnell als unproduktiv, wer sich zurückzieht, als nicht belastbar. Dabei ist Entspannung kein Zeichen von Faulheit – sie ist eine biologische Notwendigkeit. Für alle Menschen. Und ganz besonders für Frauen, deren Zyklus einem tief verwurzelten natürlichen Rhythmus folgt, der in unserer modernen Lebenswelt kaum Beachtung findet.
Warum Entspannung für alle Menschen wichtig ist

Unser Körper ist nicht für Dauerstress gemacht. Er braucht Erholungsphasen, um gesund zu bleiben. In Momenten der Entspannung fährt das Nervensystem herunter, der Parasympathikus – unser "Ruhenerv" – wird aktiviert. Blutdruck und Puls sinken, die Verdauung wird angeregt, Regenerationsprozesse setzen ein. Chronischer Stress hingegen schwächt das Immunsystem, fördert Entzündungen im Körper, belastet das Herz-Kreislauf-System und erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen wie Angstzustände oder Depressionen.
Regelmäßige Entspannungsphasen – ob durch Schlaf, körperliche Yogapraxis, Meditation, Naturerlebnisse oder einfach Nichtstun – sind deshalb keine netten Extras, sondern essenziell für unsere Gesundheit.
Entspannung im weiblichen Zyklus – ein vergessenes Naturgesetz
Während Männer hormonell eher gleichbleibend funktionieren, erleben Frauen im Laufe eines Monats einen hormonellen Wandel, der sich auf Energielevel, Stimmung, Leistungsfähigkeit und emotionale Sensibilität auswirkt. Besonders die Tage vor der Menstruation und die ersten Tage während der Blutung sind biologisch dafür vorgesehen, dass sich der Körper zurückzieht, zur Ruhe kommt und regeneriert.

Es ist kein Zufall, dass viele Frauen in dieser Phase müder, sensibler oder introvertierter sind. Es ist ein Signal des Körpers, langsamer zu machen. Nicht weil Frauen schwächer wären, sondern weil ihr Körper zyklisch arbeitet – und in der Phase der Menstruation andere Bedürfnisse hat als in der Zeit um den Eisprung, in der sich viele besonders leistungsfähig und energiegeladen fühlen.
Gesellschaftlicher Druck kontra weiblicher Rhythmus
Unsere Gesellschaft funktioniert jedoch weitgehend linear: 9-to-5, Montag bis Freitag, gleichbleibende Leistung, unabhängig von biologischen Zyklen. Diese Struktur orientiert sich an einem männlichen Lebenszyklus – im Gegensatz zum weiblichen Hormonzyklus, der etwa 28 Tage dauert. Von Frauen wird jedoch erwartet, sich diesem linearen, männlichem Rhythmus unterzuordnen. Ihre natürlichen Schwankungen werden nicht nur ignoriert, sondern oft als störend empfunden oder gar abgewertet.

Und das beginnt bereits bei jungen Mädchen, die in ihrer Schulzeit ihre Periode bekommen.
Doch dazu ein anderes Mal mehr.
Das führt nicht selten zu einem inneren Konflikt: Frauen zwingen sich zur "Funktion", obwohl ihr Körper gerade nach Rückzug ruft. Sie arbeiten gegen ihren biologischen Rhythmus – und zahlen langfristig mit Erschöpfung, Schmerzen, PMS, Burnout oder hormonellen Dysbalancen.
Ein Plädoyer für zyklusorientiertes Leben und Arbeiten
Es geht nicht darum, Frauen mit Männern zu vergleichen oder gegeneinander auszuspielen. Es geht darum, andere und vor allem zeitgemäße Bedingungen zu schaffen – für alle Geschlechter. Bedingungen, die zyklisches Leben respektieren. Die anerkennen, dass Frauen in unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus unterschiedliche Qualitäten und Stärken in sich tragen: kreative Explosionen, tiefe Intuition, klare Kommunikation oder regenerative Weisheit.
Entspannung – besonders während der Menstruationszeit – ist ein Schlüssel dafür. Sie erlaubt Frauen, im Einklang mit ihrem Körper zu leben, ihre Kräfte zu bündeln und dann, wenn es passt, mit voller Energie zu wirken. Und sie eröffnet Männern die Chance, sich ebenfalls mit natürlichen Rhythmen auseinanderzusetzen – ihren eigenen und denen der Menschen um sie herum.

Entspannung als Grundlage für ein neues Miteinander
Wenn wir lernen, zyklisches Wissen wieder in unser Leben zu integrieren, entsteht ein neues Miteinander: eines, das nicht auf ständiger Leistung basiert, sondern auf gegenseitigem Verständnis, Respekt und natürlichem Gleichgewicht.
Entspannung ist dabei der erste Schritt – nicht nur zur Gesundheit, sondern zu einer (neuen) Kultur des Lebens und Arbeitens. Einer Kultur, in der Leistung nicht mit Dauerstress gleichgesetzt wird, sondern mit Präsenz, Klarheit und Menschlichkeit.



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