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„Wenn Mädchen müde sind – warum wir die Menstruation endlich ernst nehmen müssen“

 

 

Es war ein ganz normaler Abend bei uns zuhause. Mein Mann und ich saßen gemütlich auf der Couch und schauten uns ein YouTube-Video von Mirja Boes an. Sie ist als Schauspielerin und Komikerin tätig und bekannt für ihre ehrlichen, manchmal frechen Nummern.

In diesem Sketch ging es um die Menstruation – und obwohl wir lachten, hat uns das Thema noch lange beschäftigt.

 

Denn gleich danach sagte mein Mann etwas, das bei mir hängen blieb:

„Wie kann es eigentlich sein, dass Mädchen heute immer noch ausgelacht werden, wenn sie im Turnunterricht nicht mitmachen, weil sie ihre Tage haben? “

 

Und ja – er hat absolut recht.

Noch immer wird die Periode oft belächelt, verschwiegen oder einfach ignoriert. Mädchen, die ihre Regel bekommen – meist im Alter von 12 oder 13 Jahren – spüren Müdigkeit, Schmerzen oder Erschöpfung. Und trotzdem wird von ihnen erwartet, dass sie genauso weitermachen wie sonst.

Dass sie funktionieren.

 

Der weibliche Körper gibt Signale. Aber statt auf Verständnis zu stoßen, werden diese übergangen – sei es in der Schule, in der Arbeit oder sogar im privaten Umfeld.

Und genau da beginnt das Problem.




 

 

 



Was ist Bildung?

 

Unsere Kinder wachsen in einem Bildungssystem auf. Und natürlich ist es gut, dass sie dort lesen, schreiben, rechnen und Geschichte lernen. Aber was ist mit dem eigenen Körper?

Was ist mit dem Wissen darüber, wie wir wirklich funktionieren – körperlich, seelisch, hormonell?

 

Oft heißt es: „Das ist Aufgabe der Eltern.“ Aber wenn wir von einem Bildungssystem sprechen, dann sollten auch die Menschen, die unsere Kinder dort bilden, ihnen ein echtes Bild vom Leben mitgeben – und dazu gehört eben auch der Körper. Der normale Biologieunterricht reicht da nicht aus.

 

Denn wenn junge Menschen früh lernen, wie ihr Körper arbeitet, was er braucht, wann er Ruhe braucht und wann er Kraft hat – dann können sie mit sich selbst ganz anders umgehen.


Und das Wichtigste: Es ist NORMAL! Auch darüber zu sprechen.





 

 





Gleichberechtigung – aber woran wird sie gemessen?

 

Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, sollten wir uns auch fragen:

Was heißt das eigentlich?

 

Heißt es, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer? Ja, natürlich.

Aber heißt es auch, dass Frauen genauso funktionieren müssen wie Männer? Oder umgekehrt?

Dass sie in derselben Art arbeiten, leben und leisten sollen – obwohl ihre Körper ganz anders gebaut sind?

 

Der weibliche Körper ist hormonell und körperlich anders aufgebaut.

Aber: Auch Männer sind nicht alle gleich. Auch sie haben stärkere und schwächere Tage. Auch bei ihnen gibt es Unterschiede. Jeder Mensch ist einzigartig – ob männlich oder weiblich.

 

Deshalb sollten wir aufhören, eine bestimmte Leistung oder Funktionsweise zur Norm zu machen.

Wer legt eigentlich fest, wie viel jemand leisten muss, damit er als „gleichberechtigt“ gilt?

Warum orientieren wir uns dabei immer noch großteils am männlichen Maßstab?

Vor allem im Bezug auf die Arbeitswelt?

 

 




Mehr Krankenstand für Frauen?
Oder mehr Gesundheit für alle?

 

Ein Gedanke, der oft auftaucht, wenn man über Zyklusbewusstsein oder mehr Rücksicht auf Frauenkörper spricht, ist:

„Dann brauchen die Frauen ja noch mehr Krankenstandstage!“

Wer so denkt, blickt nicht über den Tellerrand.

 

Was, wenn Frauen nicht krank werden müssten, wenn sie rechtzeitig auf ihren Körper hören dürften?

Wenn es gesellschaftlich anerkannt und erlaubt wäre, sich in den Tagen der Periode etwas zurückzunehmen – ohne schlechtes Gewissen, ohne Rechtfertigung?

 

Was, wenn wir dadurch am Ende weniger Krankheitstage hätten – bei Frauen und Männern?

Denn auch Männer erleben Stress, Überforderung, Burnout. Und auch sie würden davon profitieren, wenn es normal wäre, auf sich zu hören, statt ständig zu „funktionieren“.



 


 





Ein gesunder Umgang beginnt zuhause – und in der Schule.

 

Mein Mann hat über die Jahre viel über den weiblichen Zyklus gelernt – nicht aus Büchern, sondern durch unsere Gespräche und durch das, was er bei mir beobachtet hat.

Wir bringen auch unseren Jungs bei, dass der weibliche Zyklus das Normalste auf der Welt ist. Dass es normal ist, darüber zu reden. Und dass es wichtig ist, Rücksicht darauf zu nehmen.

 

Ich wünsche mir, dass auch in der Schule für die Kids und Teenager Raum dafür geschaffen wird.

Ein "Fach", das vermittelt,

was der Zyklus bedeutet

  • wie man mit dem Körper in Verbindung bleibt

  • wie man sich gut um sich selbst kümmert

  • wie natürliche Prozesse ablaufen - jedoch nicht nur sachlich, sondern lebensnah.

 

Mein ganz persönlicher Traum ist, dass Ayurveda und Yoga Teil des Schulalltags werden.

Nicht als Luxus oder Nebenfach – sondern als etwas, das Kindern hilft, ihren eigenen Rhythmus zu verstehen.

 

Denn Ayurveda zeigt uns, dass jeder Mensch anders ist – mit eigenen Bedürfnissen, eigener Energie, eigenem Tempo.

Und Yoga hilft uns, den Körper zu spüren, den Atem zu nutzen, zur Ruhe zu kommen.

Gerade in einer Welt, die immer schneller wird, ist das kein Extra – sondern eine Notwendigkeit.

 




Was sich ändern muss

 

Ich glaube: Wenn wir wollen, dass unsere Kinder gesund aufwachsen – körperlich und seelisch –, dann müssen wir anfangen, Körperwissen, Selbstfürsorge und natürliche Rhythmen als Teil der Bildung zu sehen.

 

Denn je früher Kinder lernen, auf sich selbst zu hören, desto besser können sie mit Stress, Druck und Veränderung umgehen.

Und das betrifft uns alle – nicht nur die Mädchen.

 

Vielleicht ist der erste Schritt einfach, dass wir anfangen, offen zu sprechen. Über Dinge, die lange als „privat“ oder „peinlich“ galten zu “cutten”und dadurch ein neues Verständnis für den Zyklus des Lebens zu kreieren.

 

 

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